Akademische Ferien-Vereinigung Algovia – Wikipedia

Akademische Ferien-Vereinigung Algovia
Wappen Zirkel
Basisdaten
Gründung: 26. August 1893
1. April 1948 (Neugründung)
Gründungsort: Kempten
Stiftungsdatum: 1927 (Ekkehard-Stiftung Kempten)
Farbenstatus: farbenführend
Farben:
Art des Bundes: ursprünglich reiner Männerbund,
mittlerweile Gemischtbund
Religion / Konfession: christlich
Stellung zur Mensur: nichtschlagend (2020)
Wahlspruch: Libere et hilariter!’
Mitglieder insgesamt: ca. 220
Website: www.algovia.de

Die Akademische Ferien-Vereinigung Algovia ist seit 1893 eine studentische Vereinigung, mit Merkmalen einer Ferialverbindung, für Studenten und ehemalige Studenten, die in Kempten (Allgäu) ihr Abitur gemacht haben. Die Organisation hat das Ziel der Anknüpfung sozialer Kontakte und das Netzwerken untereinander.[1]

Bereits vor Gründung der heutigen Algovia gab es ab 1848 eine namensgleiche farbentragende landsmannschaftliche Verbindung Algovia von Allgäuer Studenten in München. Aus dieser ging später die Münchener Burschenschaft Arminia hervor.[2]

Die Akademische Ferien-Vereinigung Algovia wurde am 26. August 1893 in Kempten gegründet. Ziel war, „die akademische Jugend der Stadt während der Ferien in studentischen Formen gesellschaftlich [zu] vereinigen“ und dabei das „gemeinsame Allgäuer Volkstum“ zu pflegen. Nachdem das Mitglied Otto Merkt im Jahre 1919 Kemptener Oberbürgermeister wurde, hatte die Algovia ab der Weimarer Zeit eine wichtige Stellung in Kempten. Unter Führung des Algovia-Philistersekretärs Merkt nahm sie großen Einfluss auf die Besetzung von Posten in der Kemptener Stadtverwaltung und behielt diesen auch während des Nationalsozialismus bei. Bereits 1933 führte die Algovia vorauseilend das Führerprinzip ein, nach Aussage des autokratischen Merkt verbanden sich in der Algovia „begeisterte Nationalsozialisten neben überzeugten Katholiken“. Zu dieser Zeit hatte die Algovia knapp 200 Mitglieder, davon 41 aktive Mitglieder und 158 im Philisterium, dem Altherrenverband.[3] Mindestens ab Sommer 1936 herrschte in der Algovia eine anti-jüdische Stimmung, so durften Juden und Ausländer keine Mitglieder mehr werden.[4]

Eine zentrale Bedeutung für die Algovia hat laut Martina Steber das Wytschaete-Denkmal (Wytschaete-Bogen) auf der Burg Wagegg. Laut der Historikerin war „das Gedenken an den Ersten Weltkrieg und seine Gefallenen ein fester Bestandteil der nationalistischen Erinnerungskultur“ der Algovia.[5]

Nach dem Ende des NS-Staats mit Auflösung der Algovia beantragten am 1. April 1948 ehemalige Mitglieder die offizielle Wiederzulassung der Algovia als geselligem Verein. Zur selben Zeit wurden in der Stadtverwaltung Kemptens Posten mit Mitgliedern der Algovia besetzt.[3] Nach eigenen Angaben sei die Algovia in den nächsten Jahrzehnten auf über 300, aktuell noch 220 aktive Mitglieder und alte Herren angewachsen. Die Mitglieder der Algovia verbinde ihre Heimat, das Allgäu. Sie sei im Jahre 2020 nicht farbentragend und nicht schlagend.[6]

Von Otto Merkt ist 1927 die Ekkehard-Stiftung Kempten gegründet worden. Im Testament vermachte Merkt ein großes Vermögen, bspw. den Ekkehardstiftungswald auf dem Gemeindegebiet von Buchenberg. Weiter unterhält die Stiftung für studierende Algoven ein Wohnheim in München.

Mitglieder erhalten in Verbindung mit der Mitgliedschaft einen Bierspitz. Laut der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte von 1955 waren neue Mitglieder seit 20 Jahren verpflichtet, eine heimatkundliche, in der Regel historische Arbeit über das „Allgäu“ zu liefern. Auf diese Weise sind bis 1955 über 200 Arbeiten zustande gekommen.[7]

  • Karl Böhm (1885–1956, Direktor des Allgäuer Überlandwerks)[3]
  • Claude Dornier (1884–1969, Flugzeugkonstrukteur)[8]
  • Ulrich Felber (Stadtpfarrer)[3]
  • Otto Merkt (1877–1951, 1. Bürgermeister Kempten 1919–1942)[8]
  • Josef Rottenkolber (1890–1970, Historiker)
  • Eugen Schraudy (1880–1959, 2. Bürgermeister Kempten 1919–1945)[3]
  • Alfred Weitnauer (1905–1974, Heimatpfleger)[8]
  • Heinrich Zölch (1913–1950, Rechtsrat und ab Anfang 1945 Stellvertreter des Kreisleiters Anton Brändle)[3]
  • Rudolf Zorn (1893–1966, Ehrenphilister, Jurist und Politiker)[8]
  • Heinz Karrer (1930–2020, Unternehmer)[9]
  • Stephan Thomae (* 1968, Jurist und Politiker)
  • Birgit Kata (Historikerin)

über die Algovia

  • Clemens Mennicken: „… aber ein Allgäu ist es nicht“. Heimatkonstruktion und Heimaterfahrung Kemptener Soldaten im Zweiten Weltkrieg. In: Andreas Wirsching (Hrsg.): Nationalsozialismus in Bayerisch-Schwaben. Ostfildern 2004, S. 31–55.
  • Herbert Müller: Parteien- oder Verwaltungsvorherrschaft? Kommunalpolitik der Stadt Kempten (Allgäu) zwischen 1929 u. 1953, zugleich Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg Nr. 35, Dissertation 1986, Ernst Vögel, München 1988, 448 Seiten, ISBN 3-925355-04-9, S. 49–52, S. 252–254

von der Algovia

  • Akademische Ferien-Vereinigung Algovia: Statuten und Comment, Kösel, Kempten 1916, 45 Seiten, OCLC 162273992
  • Akademische Ferien-Vereinigung Algovia: Bücherei und Archiv, Band 3, Kösel, Kempten 1934, Fraktur, 20 Seiten, OCLC 862847838
  1. Wolfgang Petz: Eine Schule in ihrer Zeit, S. 44
  2. Hugo Böttger: Jahrbuch der Deutschen Burschenschaft, C. Heymanns Verlag, Berlin 1907, OCLC 39989837, S. 260f
  3. abcdef Herbert Müller: Parteien- oder Verwaltungsvorherrschaft? Kommunalpolitik der Stadt Kempten (Allgäu) zwischen 1929 u. 1953, zugleich Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg Nr. 35, Dissertation 1986, Ernst Vögel, München 1988, 448 Seiten, ISBN 3-925355-04-9, S. 49–52, S. 252–254.
  4. Ralf Lienert: Historikerin fordert neuen Blick auf NS-Zeit. In: Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt), 6. Juni 2020, S. 33.
  5. Aimée Jajes mit Ralf Lienert: Die „Rassenhygiene“ Merkts und das Wytschaete-Denkmal in Haldenwang. In: Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt), 10. Juni 2020, S. 27.
  6. Webseite Algovia: Selbstdarstellung. Abgerufen am 28. Oktober 2020
  7. Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 18, 1955, Beck, S. 522.
  8. abcd Webseite Algovia: Geschichte. Abgerufen am 28. Oktober 2020
  9. Ralf Lieniert: Heinz Karrer ist gestorben. In: Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt), 6. Oktober 2020, S. 31.