Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum – Wikipedia

Das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum befindet sich in der Villa Paul Baehr, einer prachtvollen Jugendstil-Villa, am Kurpark von Bad Oeynhausen. Hervorgegangen aus der privaten Stiftung des 1992 verstorbenen Volkskundlers und Schriftstellers Karl Paetow,[1] bietet das Museum Einblicke in das weite Feld der alten Volkserzählungen und beschäftigt sich vornehmlich mit der bildlichen Umsetzung von Märchen- und Sagenmotiven. Es zeigt Illustrationen zu den bekannten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, die im Weserbergland viele ihrer Märchenstoffe gefunden haben, sowie anderer Märchensammler und -erzähler ebenso wie künstlerisch weit über die Buchillustration hinausgehende bildliche Umsetzungen von aktuellen Künstlern und Künstlerinnen.

1973 schenkte der Kunsthistoriker und Schriftsteller Karl Paetow (1903–1992) der Stadt Bad Oeynhausen seine private Märchen- und Sagensammlung,[2] die noch im selben Jahr in den Erdgeschossräumen der Paul-Baehr-Villa, Am Kurpark 3, in Bad Oeynhausen eröffnet wurde. Sie umfasst einen großen Bestand an Märchenbüchern, zahlreiche Märchen- und Sagenillustrationen in Form von Originalgraphiken und druckgraphischen Reproduktionen sowie Märchenfiguren und Gegenständen mit Bezug zu Märchen und Sage.[3]

Bis 1981 leitete der Sammler selber das Museum ehrenamtlich. 1982 wurde eine hauptamtliche wissenschaftliche Stelle eingerichtet, von der seitdem die zwei in städtischer Trägerschaft befindlichen Museen, das Märchenmuseum ebenso wie der Museumshof der Stadt Bad Oeynhausen betreut werden. In den 1980er Jahren entstandene Pläne zum Ausbau des Märchenmuseums zu einem Internationalen Märchenzentrum wurden in den 1990er Jahren wieder zu den Akten gelegt.

Seit Anfang der 1980er Jahre wurden die Sammlungen des Museums durch Ankäufe und Schenkungen besonders im grafischen Bereich ergänzt. Der Museumsgründer brachte zahlreiche Blätter mit mythologischen Szenen, Bilder zu Sagen des klassischen Altertums oder zu Figuren der Volkserzählung wie Till Eulenspiegel, Münchhausen, Rattenfänger, Rübezahl oder Widukind in die Sammlung ein. Später kam als Sammelgebiet die bildliche Darstellung von Erzählsituationen dazu. Den Ansatz Paetows, ein Museum für die lebendige Tradierung der Märchen schaffen zu wollen, werden seit den 1990er Jahren auch Unikatbücher, Handpressendrucke und andere aktuelle Werke von Künstlern zu Märchen, Mythen und Sagen erworben, bedeutet doch jede künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema auch immer wieder eine Neuinterpretation der alten Geschichten. Im Bereich der populären Massenware besitzt das Museum eine umfangreiche Postkartensammlung sowie Gesellschaftsspiele und Spielzeug, Tonträger und Diaserien, Schulwandbilder, Sammelbilderalben, Briefmarken und Plakate. Textilien, Porzellanfiguren, Sammeltellerserien und Kindergeschirre mit Märchenmotiven usw. ergänzen das Sammlungsspektrum.[4]

1978 gründete Karl Paetow zusammen mit dem Kaufmann Walter Frei den „Förderkreis des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums e. V.“ zur Unterstützung der Museumsarbeit. Der Verein finanziert seit vielen Jahren nicht nur Ankäufe für die Sammlungen, sondern auch sämtliche Veranstaltungen des Museums.[5]

  • 1973–1981: Karl Paetow (ehrenamtlich)
  • 1982–1991: Gerhard Seib (hauptamtlich)
  • 1992–2021: Hanna Dose (hauptamtlich)[6]
  • ab 2021: Hendrik Tieke (hauptamtlich)[7]

Zum Museum gehört eine gut bestückte Präsenzbibliothek mit rund 16.000 Bänden[2] Märchen aus aller Welt in deutschsprachigen Ausgaben, Sagen aus dem deutschsprachigen Raum sowie Literatur zur Stadt- und Landesgeschichte. Ergänzt wird der Bestand durch Nachschlagewerke und Fachzeitschriften.[8]

Das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen bietet ein umfangreiches Veranstaltungsangebot mit Erzählstunden,[9] Erzählkreisen,[10] Lesungen, Vorträgen, Führungen,[11] Workshops, Geburtstagstagsangeboten[12] usw.[13] Unter anderem lädt das Museum seit seiner Eröffnung an jedem 1. Freitag im Monat um 16 Uhr zu einer Märchenerzählstunde für Jung und Alt ein. Nach Voranmeldung können auch Gruppen jeder Altersklasse (ab 5 Jahren) eine Märchenerzählstunde buchen. Höhepunkt im Veranstaltungskalender sind die seit 1993 jährlich Ende Oktober stattfindenden Märchentage.[14]

Pro Jahr zeigt das Museum zudem drei Sonderausstellungen zu kulturgeschichtlichen Thema rund um Märchen, Mythen und Sagen oder auch Ausstellungen mit Arbeiten von Künstlern zum Thema. Auch Kooperationen mit Künstlervereinigungen, Sammlern u. a. m. gehören dazu.

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Staatsbades Bad Oeynhausen im Jahre 1998 kreierten Studenten der Fachhochschule Bielefeld märchenhafte und phantasievolle Kostüme. Eine konkrete Anlehnung an Märchenfiguren sollte vermieden werden.

In Kooperation mit den Kunsterziehern am Gymnasium des Ortes gab es mehrmals Kooperationen für märchenhafte Kunstprojekte.

Im September 2019 wurde dem Museum der Europäische Märchenpreis verliehen für seine „Professionalität und Beharrlichkeit“ bei seiner „engagierte[n] Vermittlung von Märchen und Märchenforschung“: „Immer wieder fand und findet es noch traditionelle, originelle aber auch ganz aktuelle, sowie pädagogisch durchdachte Annäherungsweisen an ein nicht nur museales, also historisches Thema.“[15]

  1. Dr. Karl Paetow (1903–1992). In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  2. ab Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum [Selbstvorstellung]. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  3. Dauerausstellung. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  4. Was sammelt das Museum? In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  5. Förderkreis des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums e.V. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  6. Malte Samtenschnieder: Sie hat Märchenmuseum und Museumshof geprägt (Interview mit Dr. Hanna Dose). In: www.westfalen-blatt.de. 21. September 2021, abgerufen am 28. Dezember 2021.
  7. Malte Samtenschnieder: „Ich freue mich, vor Ihnen zu stehen“ (Vorstellung Dr. Hendrik Tieke). In: www.westfalen-blatt.de. 1. Dezember 2021, abgerufen am 28. Dezember 2021.
  8. Bibliothek. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  9. Märchenerzählstunden. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  10. Erzählkreis. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  11. Vgl. Führungen. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  12. Kindergeburtstagsangebote. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  13. Museumspädagogische Angebote. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  14. Vgl. Bad Oeynhausener Märchentage. In: badoeynhausen.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.
  15. Sabine Wienker-Piepho: Europäischer Märchenpreis 2019 für das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen. [Pressemitteilung im Namen der Märchen-Stiftung Walter Kahn vom 14. Juni 2019.] In: maerchen-stiftung.de, abgerufen am 31. Dezember 2020.